Lesen lernen mit Fingerzeichen

Die Rabanus-Methode

Bei dem in der Hasenschule eingesetzten Lehrwerk zum Lesenlernen handelt es sich um ein von Katrin Rabanus entwickeltes Programm, das in Kombination mit Lautgebärden nach F. J. Koch von den Schülern bearbeitet wird. Jedem Laut eines Buchstabens ist eine Lautgebärde zugeordnet, die bei der Rabanus-Methode „Fingerzeichen“ genannt wird. Die Fingerzeichen werden als einfache Gesten vor dem Gesicht gebildet, während der jeweilige Laut gleichzeitig gesprochen wird.

Die Methode baut darauf auf, dass sich Gelerntes besser im Gedächtnis verfestigt, wenn

  • • es parallel in mehreren Gedächtnisbereichen abgelegt und miteinander verknüpft wird
    • mehrere Sinneskanäle angesprochen werden und
  • • Lerninhalte fachdidaktisch und methodisch sinnvoll aufbereitet werden.

„Die Fingerzeichen sind der Garant dafür, dass der Lernprozess in Gang kommt. Ähnliches kennt man vom Vielkanal-Lernen von Frederic Vester“, so die Gründerin Katrin Rabanus. Die Methode kommt den Bedürfnissen der lese-rechtschreibschwachen Kinder auch deswegen entgegen, weil sie dem sinnentnehmenden Lesen einen kompakten Vorkurs voranstellt, der sich mit der Technik des Lesens befasst (15 Seiten des Leseprogramms). Katrin Rabanus: „Meist begründen sich die Leseschwierigkeiten von Kindern darin, dass ihnen nicht klar ist, was eigentlich beim Leseprozess passiert: Buchstaben werden in Laute übertragen und Laute zu Wörtern zusammengezogen. Wenn bei dieser Hürde am Anfang eine direkte Hilfestellung gegeben würde, könnte man das Analphabetentum ausmerzen.“

Eine ausführliche Beschreibung der Methodik findet sich in dem Buch „Mahlzeit! Ein Kochbuch fürs Lesen.“ von Katrin Rabanus. In Anlehnung an die Koch´schen Fingerlesezeichen wird die Methodik in Form von leicht verständlichen "Rezepten" dargestellt.

 

Das Unterrichtsmaterial

Das Lese- und Arbeitsbuch "Lesespaß von A bis Z" bildet die Arbeitsgrundlage für den Leselehrgang nach Rabanus. Ein nichtlesendes Kind benötigt im Durchschnitt 53,5 Zeitstunden, um mit Hilfe dieses rund 200 Seiten umfassenden Programms flüssig lesen zu lernen.

Jedes Blatt stellt eine abgeschlossene Übungseinheit dar und baut sowohl inhaltlich als auch methodisch auf dem vorhergehenden auf. Auf jeweils sechs bis acht Seiten werden neue Buchstaben eingeführt und eingeübt. Die Reihenfolge der Buchstabeneinführung folgt einer besonderen Systematik: Sie ist aufgrund der Artikulationsarten festgelegt, da beispielsweise die Lautverschmelzung bei lang anklingenden Konsonanten wie M, N oder S (Nasale, Frikative, Liquide) mit Vokalen weitaus leichter ist als bei kurz klingenden Konsonanten wie T, P, G oder K (Plosive). Ein lang klingender Laut lässt sich soweit aushalten, bis der Vokal angehängt wird.

Die Buchstabenfolge im "Lesespaß von A bis Z" wird also nicht in erster Linie durch die Buchstaben festgelegt, die man benötigt, um sinnvolle Wörter und Texte zu erstellen, sondern orientiert sich daran, zunächst die technisch leichtesten Lautkombinationen zu vermitteln. Lernschwache Kinder und Kinder mit Leseschwierigkeiten bis hin zu Legasthenie erfahren auf diese Weise eine effektive Hilfestellung.

Die Unterrichtsmethode

Die Fingerzeichen sind das eindrücklichste Merkmal der Rabanus-Methode. Sie helfen den Kindern, die besonderen Hürden beim Lesenlernen zu überwinden, z.B. Verankerung der Laut-Buchstaben-Zuordnung, Zusammenschleifen von Lauten.

Durch lautes Lesen wird das Auslassen oder Verschlucken von Buchstaben verhindert. Zudem können die Kinder den eigenen Leseprozess besser kontrollieren. An Lesestationen wird Erlesenes wiederholt und eingeschliffen. Die Kinder erhalten Sicherheit und steigern ihr Lesetempo. Durch den häufigen Wechsel der Stationen wird dem Bewegungsdrang der Kinder Rechnung getragen. Wiederholung und Übung ergibt sich neben den Leseübungen an den Stationen auch durch den Aufbau der Lerneinheiten. So wird Neues immer wieder mit bereits Gelerntem verbunden.

Das Lesenlernen ist mit dem Schreibenlernen verbunden. Parallel zum Leselehrgang lernen die Kinder automatisch das Schreiben. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Methode eine besonders gute Grundlage für die Rechtschreibkompetenz schafft.